Ahmad

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ahmad (arabisch أحمد, DMG aḥmad ‚hochgelobt‘) ist nach dem Koran (Sure 61:6) die Bezeichnung eines von Jesus von Nazaret (arabisch: ʿĪsā ibn Maryam) angekündigten Gesandten, der von islamischen Gelehrten mit dem Propheten Mohammed gleichgesetzt wurde. Auf dieser Grundlage ist Ahmad bei Muslimen ein beliebter männlicher Vorname und Familienname geworden.

Das Wort stammt aus der arabischen Wurzel h-m-d „loben“, „preisen“, nach der auch die Namen Muhammad, Hamīd und Mahmūd gebildet werden. Ahmad ist Elativ von hamīd („lobenswert“) oder mahmud („gelobt“) und ist somit mit „hochlöblich“ oder „hochgepriesen“ übersetzbar.[1]

Vorkommen im Koran

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die entscheidende Stelle ist Sure 61:6, wo es heißt:

„Als Jesus, der Sohn Marias sprach: ‚Ihr Kinder Israel, siehe, ich bin von Gott zu euch entsandt, um zu bestätigen, was vom Gesetz schon vor mir war, und einen Gesandten anzukündigen, der nach mir kommt und dessen Name Ahmad ist (wa-smu-hū aḥmad)‘“

Übersetzung Hartmut Bobzin

Unklar ist, ob aḥmad hier als Name, Aḥmad, oder als Adjektiv, „hochlöblich“, zu verstehen ist. William Montgomery Watt hat auf die Seltenheit dieses Namens zur Zeit Mohammeds hingewiesen. Im vorislamischen Arabisch erscheint das Wort lediglich als Bestandteil zusammengesetzter Gottesprädikationen.[1] Deswegen wird in vielen Koranübersetzungen einem adjektivischen Verständnis der Vorzug gegeben. Rudi Paret übersetzt zum Beispiel die fragliche Passage mit: „und einen Gesandten mit einem hochlöblichen Namen zu verkünden“. Belege für die Verwendung als Eigenname bei Muslimen finden sich mehrfach erst nach 740.[1]

Die Identifikation mit dem Parakleten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In späteren Jahrhunderten stellten muslimische Exegeten, so zum Beispiel Muqātil ibn Sulaimān und Ibn Ishāq (beide 767 gestorben), eine Verbindung zwischen Sure 61:6 und dem im Neuen Testament Joh 14,26 ELB, Joh 15,26 ELB, Joh 16,7 ELB angekündigten Parakleten (griechisch parakletos, syrisch menaḥḥemānā, arabisch al-fāraqlīṭ; deutsch z. B. als „Beistand“ übersetzbar) her.[2] Auch andere biblische Passagen, die in arabischer Übersetzung Derivate von h-m-d enthalten, wurden in diesem Sinne gedeutet.[3] Die Identifikation von Muhammad und dem im NT verkündeten Parakleten diente den Muslimen als Argument dafür, dass die koranische Aussage über Jesus stimmte und dieser das Kommen Mohammeds bereits vorhergesagt hatte.[4]

Setzt man die ab ca. 772 n. Chr. mehrfach belegte Identifikation von Muhammad und Paraklet voraus, zeigt sich, dass Ahmad ab dieser Zeit als Synonym für Mohammed betrachtet wurde.[1] So tradiert es explizit z. B. bereits Wahb ibn Munabbih († 728): der Name des Propheten sei Aḥmad und Muḥammad.[5]

Kalifen der Ahmadiyya

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahmed, Ahmet (türkisch), Achmed, Achmet.

  • Ahmadi (von Ahmad abgeleiteter Familienname).
  • Geoffrey Parrinder: Jesus in the Qurʾān, London: Faber & Faber 1977, 96–100.
  • Uri Rubin: The eye of the beholder, the life of Muhammad as viewed by the early Muslims, a textual analysis. Princeton, NJ: Darwin Press 1995 (Studies in late antiquity and early Islam 5), ISBN 0-87850-110-X, 22f
  • Uri Rubin: Art. Aḥmad, Name of the Prophet, in: Encyclopaedia of Islam, 3. Aufl., Brill 2008.
  • William Montgomery Watt: His name is Ahmad, in Muslim World 43 (1953), 110–7.
  • Josef van Ess: Theologie und Gesellschaft im 2. Und 3. Jahrhundert Hidschra: Eine Geschichte des religiösen Denkens im frühen Islam, Berlin: de Gruyter, Bd. 3 (1992), 25f und Bd. 4 (1997), 633f
Wiktionary: Ahmad – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. a b c d J. Schacht: Aḥmad, in: Encyclopaedia of Islam, 2. Auflage.
  2. U. Rubin, l.c.
  3. Beispiele bei U. Rubin, l.c.
  4. Vgl. Olaf H. Schumann: Der Christus der Muslime. Christologische Aspekte in der arabisch-islamischen Literatur. Gütersloh 1975. S. 35–37.
  5. Ibn Qayyim al-Jawziyya: Hidāyat al-ḥayārā fī ajwibat al-yahūd wa-l-naṣārā. Hg. ʿIṣām Fāris al-Ḥarastānī, Beirut 1994, 199; hier n. Rubin, l.c.; dort noch Bericht über weitere Traditionen