Al-Yahudu-Tafeln

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Eine einzelne in Keilschrift beschriftete Tontafel; Bible Lands Museum, Jerusalem. Dieser Fund enthält den Text „Āl-Yāhūdu“

Die Al-Yahudu-Tafeln sind eine Sammlung von etwa 200 Tontafeln[1] aus dem 6. und 5. Jahrhundert v. Chr., die über die im Exil lebende judäische Gemeinschaft in Babylonien nach der Zerstörung des ersten Tempels berichten.

Historische Zusammenhänge

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Die Tontafeln enthalten Informationen über die körperliche Verfassung der Verbannten aus Juda und ihre ökonomische Lage in Babylon. Die Tafeln sind nach der in den Dokumenten erwähnten zentralen Siedlung al-Yahudu (Akkadisch: Die Stadt Juda) benannt.

Das früheste Dokument in der Sammlung stammt aus dem Jahr 572 v. Chr., etwa fünfzehn Jahre nach der Zerstörung des Tempels, während der Herrschaft von Nebukadnezar II. Die jüngste Tafel stammt aus dem Jahr 477 v. Chr., während der Herrschaft von Xerxes I., etwa 60 Jahre nach Beginn der Rückkehr nach Judah und etwa 20 Jahre vor dem Aufstieg von Esra.[2]

Die al-Yahudu-Tafeln

Die al-Yahudu-Tafeln decken einen Zeitraum von etwa hundert Jahren unter babylonischer, insbesondere persischer Herrschaft ab. Im Allgemeinen zeigen die Dokumente eine Ähnlichkeit zwischen dem Leben der Juden und anderer Exilanten in den Königreichen zu dieser Zeit. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Dokumente das Spannungsverhältnis zwischen der Bewahrung jüdischer Identität, Sprache, Kultur und Religion und der Notwendigkeit und manchmal auch dem Willen zur Integration in das babylonische Leben bezeugen. In dieser Hinsicht entspricht das Leben in Babylon den Vorstellungen des Propheten Jeremia in einem Brief[3], den er nach dem Exil zu Jojachin, im Jahr 597 v. Chr., von Judah aus an die babylonischen Exilanten sandte.

Die veröffentlichten Aufzeichnungen enthalten keine Informationen über den Ort und das Datum einer Ausgrabung der Dokumente im Irak. Zumindest bleibt es fraglich, ob sie bei einer archäologischen Ausgrabung gefunden wurden. Das erste Mal, dass sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden sind, war in einem Artikel zweier französischen Archäologen aus dem Jahr 1999.[4]

  • Kathleen Abraham: West Semitic and Judean Brides in Cuneiform Sources from the Sixth Century BCE. New Evidence from a Marriage Contract from Al-Yahūdu. In: Archiv für Orientforschung 51, 2005–2006, S. 198–219 (Digitalisat)
  • Laurie E. Pearce: New Evidence for Judeans in Babylonia. In O. Lipschits, M. Oeming (Hrsg.): Judah and the Judeans in the Persian Period. Winona Lake, Indiana 2006, S. 399–411.
  • Laurie E. Pearce, Cornelia Wunsch: Documents of Judean Exiles and West Semites in Babylonia in the Collection of David Sofer (= Cornell University Studies in Assyriology and Sumerology 28). Bethesda MD 2014, ISBN 978-1-934309-57-5.
  • Ran Zadok: Notes on the Onomastics from Yahūdu. In: Nouvelles Assyriologiques Brèves et Utilitaires (Nabu) 2015/3, S. 85–86 (Digitalisat).
  • Tero Alstola: Judeans in Babylonia. A Study of Deportees in the Sixth and Fifth Centuries BCE. Dissertationsschrift, University of Helsinki, Unigrafia Oy, Helsinki 2017, ISBN 978-951-51-3831-6, auf core.ac.uk [3]
Commons: Al-Yahudu-Tafeln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Nir Hasson: Ancient Tablets Disclose Jewish Exiles' Life in Babylonia., 2,500-year-old said to be the most important ancient Jewish archive since the discovery of the Dead Sea Scrolls. Haaretz, 29. Januar 2015, auf haaretz.com [1]; Ilan Ben Zion: By the rivers of Babylon’ exhibit breathes life into Judean exile. Never-before-showcased clay tablets documenting the first diaspora go on display at Jerusalem’s Bible Lands Museum. 1. Februar 2015, auf timesofisrael.com [2].
  2. Dalit Rom-Shiloni: The Untold Stories: Al-Yahūdu and or versus Hebrew Bible Babylonian Compositions. In: Die Welt des Orients, Bd. 47, 2017, Nr. 1, S. 124–134 doi:10.13109/wdor.2017.47.1.124.
  3. Konrad Schmid: Buchgestalten des Jeremiahbuches: Untersuchungen zur Redaktions- und Rezeptionsgeschichte vor Jer 30–33 EU im Kontext des Buches (= WMANT 72). Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1996, S. 197–294.
  4. Francis Joannès, André Lemaire: Trois tablettes cuneiformes a onomastique ouest-semitique (collection Sh. Moussaieff). Transeuphratene Transeuphratene 17 (1999) S. 17–34