Crookesit

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Crookesit
Metallisch glänzendes, krustiges Crookesit-Kristallaggregat aus der Grube „Skrikerum“, Valdemarsvik, Östergötland, Schweden
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Crk[1]

Chemische Formel Cu7TlSe4[2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/B.03
II/B.03-030

2.BD.50
02.04.12.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol tetragonal-disphenoidisch; 4[3]
Raumgruppe I4 (Nr. 82)Vorlage:Raumgruppe/82[2]
Gitterparameter a = 10,45 Å; c = 3,93 Å[2]
Formeleinheiten Z = 2[2]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5 bis 3,0
Dichte (g/cm3) gemessen: 6,90; berechnet: 7,443[4]
Spaltbarkeit gut
Bruch; Tenazität nicht definiert
Farbe bleigrau bis bläulichgrau
Strichfarbe nicht definiert
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz

Crookesit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ (einschließlich Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenite, Sulfantimonite, Sulfbismuthite) mit der chemischen Zusammensetzung Cu7TlSe4[2] und ist damit ein Kupfer-Thallium-Selenid, das strukturell mit den Sulfidmineralen verwandt ist.

Crookesit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem, konnte jedoch bisher nur in Form feinverteilter Einschlüsse, körniger Aggregate oder kleiner Äderchen von bleigrauer bis bläulichgrauer Farbe gefunden werden. Er ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und weist einen metallischen Glanz auf.

Etymologie und Geschichte

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Das Mineral wurde erstmals in der Erzlagerstätte der Grube „Skrikerum“ nahe Valdemarsvik in der schwedischen Provinz Östergötlands län entdeckt und 1867 von Adolf Erik Nordenskiöld[5] beschrieben. Benannt ist es nach dem Entdecker des chemischen Elementes Thallium, Sir William Crookes.

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Crookesit zur Abteilung der „Sulfide, Selenide und Telluride mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : SchwefelSelenTellur > 1 : 1“, wo er zusammen mit Athabascait, Bellidoit, Berzelianit, Sabatierit und Umangit die unbenannte Gruppe II/B.03 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Crookesit ebenfalls in die Abteilung der „Metallsulfide, M : S > 1 : 1 (hauptsächlich 2 : 1)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metalle, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Quecksilber (Hg), Thallium (Tl)“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 2.BD.50 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Crookesit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Sabatierit in der unbenannten Gruppe 02.04.12 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n) : p = 2 : 1“ zu finden.

Kristallstruktur

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Crookesit kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe I4 (Raumgruppen-Nr. 82)Vorlage:Raumgruppe/82 mit den Gitterparametern a = 10,45 Å und c = 3,93 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

Bildung und Fundorte

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Crookesit bildet sich unter hydrothermalen Bedingungen und tritt meist mit anderen Seleniden wie Umangit, Berzelianit, Eukairit, Klockmannit, Clausthalit und Sabatierit, aber auch mit selenhaltigem Linneit, Calcit und Quarz vergesellschaftet auf.

Als seltene Mineralbildung konnte Crookesit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2013) rund 10 Fundorte als bekannt gelten.[6] Seine Typlokalität „Skrikerum“ nahe Valdemarsvik ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in Schweden.

In Deutschland fand man Crookesit bisher nur in den Gruben „Brummerjan“ bei Zorge und „Weintraube“ bei Lerbach in Niedersachsen.

In der Schweiz konnte das Mineral in Gesteinsproben bei einer von der Nagra durchgeführten Bohrung nahe Kaisten sowie bei einer Probebohrung in einer „Redbed“-Lagerstätte (durch fein verteilten Hämatit intensiv rot gefärbtes Sand- oder Tongestein) bei Weierfeld nahe Rheinfelden im Kanton Aargau nachgewiesen werden.

Weitere bisher bekannte Fundorte sind die „Tumiñico-Mine“ in der Sierra de Cacho in der argentinischen Provinz La Rioja, die Lagerstätte „Chibukla“ in Armenien, das „Sanpu“-Erzfeld im Kreis Suixi (Huaibei) in der chinesischen Provinz Anhui und Nové Město na Moravě-Petrovice und Rožná in der tschechischen Kraj Vysočina.[7]

  • A. E. Nordenskiöld: Sur les minéraux sélénifères et thallifères de Skrikerum. In: Bulletin Mensuel de la Société Chimique de Paris. Band 7, 1867, S. 409–414 (rruff.info [PDF; 389 kB; abgerufen am 19. März 2018]).
  • J. W. Early: Description and synthesis of the selenide minerals. In: American Mineralogist. Band 35, 1950, S. 337–364 (rruff.info [PDF; 1,9 MB; abgerufen am 19. März 2018]).
Commons: Crookesite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 5. Januar 2023]).
  2. a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 73.
  3. Webmineral - Crookesite
  4. Crookesite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 61 kB; abgerufen am 19. März 2018]).
  5. Förteckning öfver A. E. Nordenskiölds skrifter. Utarbetad af J. M. Hulth (Memento vom 29. September 2015 im Internet Archive) (PDF 246,7 kB; Übersetzung: Liste über A. E. Nordenskiölds Schriften. Vorbereitet von J. M. Hulth; vollständiger Name „Nils Adolf Erik Nordenskiöld“, S. 2; Erstbeschreibung „Crookesit“ 1867, S. 5)
  6. Mindat - Anzahl der Fundorte für Crookesite
  7. Fundortliste für Crookesit beim Mineralienatlas und bei Mindat