Gertrud Blank

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Gertrud Blank (* 1892 in Hannover; † 1981 in Tel Aviv) war eine deutsche Sozialarbeiterin.

Gertrud(e) („Trude“) Blank war die Tochter von Ely Blank (1839–1926), Kaufmann und Fabrikant, und von Sophie Blank, geborene Levy (1851–1892) aus Wallensen (Weserbergland).[1] Sie wurde im Gegensatz zu ihren älteren Geschwistern, darunter Bruder Albert Blank (1885–1963), später Mitinhaber der Teppichwerke Otto Kuhlmann & Co in Hameln, und Paula Blank (1887–1967), später Bibliothekarin, schon in Hannover geboren, wohin ihre Familie kurz zuvor gezogen war. Sie absolvierte 1913 bis 1915 die Frauenfachschule für Sozialarbeit in Berlin-Schöneberg und arbeitete 1915 bis 1920 als Fürsorgerin am städtischen Wohlfahrtsamt in Berlin-Charlottenburg. 1920 bis 1933 war sie leitende Fürsorgerin am Jugend- und Wohlfahrtsgericht Berlin, daneben auch tätig bei der Gefährdeten-Fürsorge und der Ausbildung von Fürsorgerinnen. Ab 1932 Mitglied der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wurde sie 1933 nach dem sogenannten „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ als Jüdin entlassen.

Nun wurde sie Fürsorgerin im Außendienst der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland in Berlin, 1934 Leiterin des jüdischen Wohlfahrtsamtes der Provinz Magdeburg, schließlich 1934 bis 1939 leitende Mitarbeiterin der Jüdischen Winterhilfe[2] und in der Gemeinde- und Bezirkswohlfahrt Berlin. Erst im April 1939 emigrierte sie mit einem AI-Zertifikat der britischen Mandatsregierung nach Palästina (Schwester Paula war 1933 über die Schweiz nach Palästina, Bruder Albert 1936 mit der Familie nach England emigriert). 1939 wurde sie Mitglied der Histadrut und der H.O.G. (Hitachduth Olej Germania[3]), der Vereinigung deutscher Einwanderer. In Palästina setzte sie ihre Arbeit fort: 1942 bis 1943 als Fürsorgerin in der Frauensozialhilfe, 1944 bis 1948 im Wohlfahrtsministerium (wo sie u. a. verantwortlich war für die Unterstützung Evakuierter aus Zypern), ab 1945 als leitende Fürsorgerin in der Sozialhilfe für ehemalige Soldaten, 1948 bis 1957 als Sozialarbeiterin in der Abteilung für Kindersozialhilfe des Ministeriums für Sozialarbeit. Schließlich wurde sie 1957 noch ehrenamtliche Mitarbeiterin in der „Vereinigung ehemaliger Funktionäre und Angestellter jüdischer Gemeinden in Deutschland“. Sie lebte zuletzt gemeinsam mit ihrer Schwester Paula Blank in Tel Aviv.

  • Blank, Gertrud. In: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. International biographical dictionary of Central European emigrés 1933–1945. Hrsg. vom Institut für Zeitgeschichte München und von der Research Foundation for Jewish Immigration, New York, unter der Gesamtleitung von Werner Röder und Herbert A. Strauss. Bd. 1: Politik, Wirtschaft, öffentliches Leben. Redaktion: Sybille Claus (u. a.). München 1980, ISBN 3-598-10087-6, S. 68. (Dieser biografische Eintrag beruht auf Blanks eigenen Angaben.)
  • Georg Lubinski, Gertrud Blank (Hrsg.): Jüdische Winterhilfe. Richtlinien und Geschäftsordnung. Berlin 1936. Vorhanden in der Bibliothek des Leo-Baeck-Instituts New York. Vgl. Deutschsprachige jüdische Gemeinden, Zeitungen, Zeitschriften, Jahrbücher, Almanache und Kalender, unveröffentlichte Memoiren und Erinnerungsschriften. Tübingen 1970, S. 79 (Katalog / Leo Baeck Institute New York, Bibliothek und Archiv. Bd. 1 = Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo-Baeck-Instituts. Band 22).
  • Bernhard Gelderblom: „…nur, weil wir Juden sind.“ Das Schicksal der Unternehmerfamilie Albert Blank und die Teppichfabrik oka in Hameln. CW Niemeyer Buchverlage, 2020, ISBN 978-3-8271-9262-2. (Über Gertrud Blank: S. 12, 32, 90, 92, 95–98 und 100–102).
  • Bernhard Gelderblom: Der jüdische Friedhof in Wallensen Darin über die jüdische Familie Blank und Gertrud Blanks Großvater David Blank, der seit 1820 in Wallensen wohnte (die Familie lebte bis 1890/91 in Wallensen). Hier auch eine ausführliche Biografie von Gertruds Bruder Albert Blank.

Einzelnachweise

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  1. Alle Angaben nach dem Eintrag in: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 (s. Literatur).
  2. Die Jüdische Winterhilfe wurde im Oktober 1935 durch die Reichsvertretung der Juden in Deutschland nach der Verabschiedung der Nürnberger Gesetze gegründet, da die deutschen Juden von caritativen Maßnahmen ausgeschlossen waren. „Helft der Not steuern!“ – Plakat der Jüdischen Winterhilfe. LEMO Lebendiges Museum online, Deutsches Historisches Museum Berlin
  3. Die Eigenbezeichnung in lateinischen Lettern lautete von 1932 bis 1939 Hitachduth Olej Germania (hebräisch הִתְאַחְדוּת עוֹלֵי גֶּרְמַנְיָה Hit'achdūt ʿŌlej Germanjah, deutsch ‚Vereinigung der Olim Deutschlands‘, H.O.G.; wie beim Mitteilungsblatt der Hitachduth Olej Germania im Titel), zwischen 1940 und 1942 Hitachdut Olej Germania we Austria (hebräisch הִתְאַחְדוּת עוֹלֵי גֶּרְמַנְיָה וְאוֹסְטְרִיָה Hit'achdūt ʿŌlej Germanjah we-Ōsṭrijah, deutsch ‚Vereinigung der Olim Deutschlands und Österreichs‘, Akronym: HOGoA; vgl. Mitteilungsblatt der Hitachdut Olej Germania we Austria), dann von 1943 bis 2006 Irgun Olej Merkas Europa (hebräisch אִרְגּוּן עוֹלֵי מֶרְכַּז אֵירוֹפָּה Irgūn ʿŌlej Merkaz Ejrōpah, deutsch ‚Organisation der Olim Mitteleuropas‘; wie in ihrem Organ: MB - Wochenzeitung des Irgun Olej Merkas Europa), seither führt der Verein den jetzigen Namen Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft (hebräisch אִרְגּוּן יוֹצְאֵי מֶרְכַּז אֵירוֹפָּה Irgūn Jōtz'ej Merkaz Ejrōpah, deutsch ‚Organisation der aus Mitteleuropa Stammenden‘; vgl. Titel des Vereinsblatts Yakinton / MB: Mitteilungsblatt der Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft).