Großer Preis von Israel 1970

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Der Große Preis von Israel 1970 (hebräisch גרנד פרי ישראל) war ein zunächst für den 21. und später für den 22. November 1970 geplantes Formel-2-Rennen in der israelischen Stadt Aschkelon. Den Planungen der Veranstalter zufolge sollte es das erste israelische Automobilrennen mit internationaler Beteiligung werden. Das Rennen wurde nach dem Zeittraining abgesagt, nachdem es bereits im Vorfeld religiös bedingte Auseinandersetzungen gegeben und das beteiligte Versicherungsunternehmen schließlich den Versicherungsschutz entzogen hatte.

Entstehungsgeschichte

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Veranstalter des ersten Großen Preises von Israel waren der Israelische Automobil- und Touringclub sowie die neu gegründete Israel Racing Organisation (IRA). Die Finanzierung übernahm der israelische Volkswagen-Importeur. Die Veranstalter beauftragten den Wiesbadener Automobilclub (WAC) mit der Organisation des Rennens; der WAC stellte auch den Rennleiter.

Der Große Preis von Israel war nach den Regeln der Formel 2 ausgeschrieben. Ein Rennen dieser Klasse hatte bislang in Israel noch nicht stattgefunden. Als Rahmenprogramm war ein Formel-V-Rennen vorgesehen. Der Formel-2-Lauf war ein meisterschaftsfreies Rennen, das keinen Einfluss auf die bereits im Oktober 1970 beendete Formel-2-Europameisterschaft 1970 hatte. Die Fahrer traten auf Einladung der Veranstalter an, die alle Kosten für den Transport und die Unterbringung übernahmen. Die Einladung war an die „20 erfolgreichsten europäischen Formel-V-Rennfahrer“[1] und 15 ausgewählte Formel-2-Piloten gerichtet.

Ziel der Veranstalter war es, Israel durch dieses Rennen als Austragungsort für internationale Motorsportveranstaltungen bekannt zu machen. Letztlich bestand die Absicht, 1973 zum 25-jährigen Bestehen des Staates Israel einen Lauf der Formel-1-Weltmeisterschaft auszurichten.[1] Das Vorhaben ließ sich nicht umsetzen. Die Veranstaltung in Aschkelon wurde als „grandioses Chaos“ wahrgenommen und ließ Interessenten von weiteren Projekten Abstand nehmen. Zwar wurde für den 20. November 1971 noch der Zweite Große Preis von Israel angekündigt. Das Rennen wurde allerdings frühzeitig mangels Interesses aus dem Kalender gestrichen.[2]

Nach dem Rennen wurde gegen die Veranstalter in Israel strafrechtlich wegen Betruges ermittelt; die Strafverfolgungsbehörden sahen in dem Rennabbruch eine vorwerfbare Straftat zulasten der zahlenden Zuschauer. Die Einnahmen aus dem Rennen erreichten den organisierenden Wiesbadener Autoclub nicht. Ein Vermittler hatte sich mit den gesamten Einnahmen abgesetzt.

Das Rennen sollte auf einer Barnea Beach Circuit genannten Rundstrecke in der am Mittelmeer gelegenen Stadt Aschkelon stattfinden. Die Strecke lag im Stadtteil Barnea, der zu dieser Zeit ein Neubaugebiet war. Sie war 4.300 m lang,[3] sehr schmal und befand sich nach Ansicht von Beobachtern in einem schlechten („holperigen“) Zustand.[1] Ein Boxengebäude gab es nicht. Die Teams mussten ihre Autos und die Ausrüstung unter freiem Himmel auf unbefestigtem Boden im Infield unterbringen.

Teams und Fahrer

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Auf der Meldeliste des Großen Preises von Israel waren 10 Teams mit 13 Fahrern verzeichnet. Zur Veranstaltung erschienen tatsächlich nur elf Fahrer. Die großen britischen Rennwagenhersteller waren nicht werksseitig vertreten. Der italienische Hersteller Tecno, der die Formel-2-Europameisterschaft 1970 gewonnen hatte, trat zwar an, schickte aber nicht seine Werksfahrer Clay Regazzoni – der neue Europameister – und François Cevert nach Aschkelon, sondern Patrick Depailler, der in der zurückliegenden Saison für den französischen Rennwagenkonstrukteur Pygmée gefahren war. Derek Bell, der Vizemeister des Jahres 1970, war der erfolgreichste Formel-2-Fahrer, der in Israel gemeldet war. Das am weitesten verbreitete Auto war der Brabham BT30. Alle Fahrzeuge wurden von Cosworth-Vierzylindermotoren angetrieben.

Rennen: Verschiebung und Abbruch

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Das Formel-2-Rennen und das Rahmenrennen der Formel V waren, nachdem am 20. November die Trainingsläufe stattgefunden hatten, anfänglich für den 21. November 1970 vorgesehen. Das war ein Sonnabend, der jüdische Sabbat, der allgemein arbeitsfrei war. Auf diese Weise wollten die Veranstalter möglichst hohe Zuschauerzahlen erreichen, wobei die Planungen von 50.000 Besuchern ausgingen. Allerdings rief der Samstagstermin Protest unter orthodoxen Juden hervor, die in dem geplanten Autorennen eine „Schändung des Sabbats“[1] sahen und in der Nacht vor dem Freitagstraining Glasscherben und Nägel auf der Rennstrecke verteilten. Vertreter der Veranstalter und Rennfahrer wurden bedroht. Letztlich kam es zu einer gütlichen Einigung. Gegen eine Zahlung von 200.000 Israelischen Pfund verlegte der Veranstalter alle Rennen vom Samstag auf Sonntag, den 22. November 1970.

Training und Rennen standen unter dem Eindruck fehlender Sicherheitsmaßnahmen. Sowohl während des Trainings am Freitag als auch während des Formel-V-Rennens am Sonntag standen die Zuschauer direkt an der Piste; Abgrenzungen gab es nicht. Mehrfach querten Zuschauer kurz vor den herannahenden Rennwagen die Strecke; während der Trainingssitzungen waren außerdem frei laufende Hunde und Ziegen auf der Strecke gewesen, und Fahrer von Zivilfahrzeugen hatten versucht, auf die Strecke zu gelangen. Nach dem Start des Rennens entzog ein Vertreter des Versicherungsunternehmens, das die Risiken der Veranstalter abgedeckt hatte, wegen der ungeordneten Zustände den Versicherungsschutz. Das Formel-V-Rennen wurde daraufhin abgebrochen, das Formel-2-Rennen wurde gar nicht gestartet. Die Formel-2-Piloten beschränkten sich auf einige Demonstrationsrunden in langsamem Tempo.

Team Fahrer Chassis Motor
Italien Scuderia Ala d’Oro Italien Ernesto Brambilla Brabham BT30 Cosworth FVA
Italien Vittorio Brambilla
Frankreich Pygmée Frankreich Patrick Dal Bo Pygmee MDB15 Cosworth FVA
Frankreich Jean-Pierre Beltoise
Frankreich Jean-Pierre Jabouille
Vereinigtes Konigreich Wheatcroft Racing Vereinigtes Konigreich Derek Bell Brabham BT30 Cosworth FVA
Vereinigtes Konigreich FIRST Vereinigtes Konigreich Peter Westbury Brabham BT30 Cosworth FVA
Irland Irish Racing Cars Irland Tommy Reid Brabham BT30 Cosworth FVA
Vereinigtes Konigreich Brian Cullen Vereinigtes Konigreich Brian Cullen Brabham BT23C Cosworth FVA
Vereinigte Staaten Mike Goth Vereinigte Staaten Mike Goth Brabham BT30 Cosworth FVA
Schweiz Midland Racing Team Schweiz Bruno Frey Tecno 69 Cosworth FVA
Schweiz Squadra Tartaruga Schweiz Xavier Perrot March 702 Cosworth FVA
Italien Tecno Racing Team Frankreich Patrick Depailler Tecno 70 Cosworth FVA

Klassifikation: Qualifying

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Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit
01 Italien Ernesto Brambilla Vereinigtes Konigreich Brabham 1:23,8
02 Frankreich Patrick Depailler Italien Tecno 1:24,2
03 Vereinigtes Konigreich Derek Bell Vereinigtes Konigreich Brabham 1:24,8
04 Vereinigte Staaten Mike Goth Vereinigtes Konigreich Brabham 1:25,2
05 Schweiz Xavier Perrot Vereinigtes Konigreich March 1:25,4
06 Vereinigtes Konigreich Peter Westbury Vereinigtes Konigreich Brabham 1:25,8
07 Frankreich Patrick Dal Bo Frankreich Pygmée 1:26,2
08 Vereinigtes Konigreich Brian Cullen Vereinigtes Konigreich Brabham 1:26,5
09 Italien Vittorio Brambilla Vereinigtes Konigreich Brabham 1:27,1
10 Irland Tommy Reid Vereinigtes Konigreich Brabham 1:27,6
11 Schweiz Bruno Frey Italien Tecno 1:27,1

Jean-Pierre Beltoise und Jean-Pierre Jabouille, die als weitere Fahrer des Pygmée-Teams gemeldet waren, erschienen zum Rennen nicht.

  • Rainer Braun: Hallo Fahrerlager. Eine unterhaltsame Zeitreise durch 45 Jahre Reporterleben. Band 1. Kräling Motorsport-Bild-Verlag; 1. Auflage 2008, ISBN 978-3981108101.
  • Eberhard Reuß, Ferdi Kräling: Formel 2. Die Story von 1964 bis 1984. Delius Klasing, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-7688-3865-8.

Einzelnachweise

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  1. a b c d Rainer Braun: Hallo Fahrerlager. Eine unterhaltsame Zeitreise durch 45 Jahre Reporterleben. Band 1. Kräling Motorsport-Bild-Verlag; 1. Auflage 2008, ISBN 978-3981108101.
  2. Übersicht über die Formel-2-Rennen des Jahres 1971 auf der Internetseite www.formula2.net (abgerufen am 13. Dezember 2016).
  3. Statistik des Großen Preises von Israel 1970 auf der Internetseite www.formula2.net (abgerufen am 13. Dezember 2016).